- Yushka
- Autor
11 September 2026
Jeanny150765 schrieb: Hallo,
ich hatte es nicht böse gemeint,ich kann halt schwer damit umgehen.
Margret,Dein Beitrag ist sehr traurig,macht aber auch Hoffnung,das es irgentwann nicht grausam enden muss.Danke für Deinen schönen,wenn auch traurigen Beitrag.
LG
Jeanny
Liebe Jeanny,
ich wollte Dich nicht runterziehen und es tut mir Leid, dass Du Beiträge wie meine so schwer aushältst.
Ich begreife Foren wie dieses aber nicht ausschließlich als Plattform für Erfolgsnachrichten und Durchhaltebeschwörungen. Mut machen kann ja für mich etwas ganz anderes sein als für Dich. Ich habe Margret übrigens nicht so verstanden, als hätte sie das Ende ihres Mannes als grausam empfunden. Es sei denn, man hält den Tod selbst für grausam.
Ich will nicht behaupten, dass ich mit diesem Thema besonders cool umgehe, aber letztlich ist der Tod, sofern er durch Krankheit oder Schwäche verursacht ist, doch ein ebensolches Naturereignis wie die Geburt. Kann es nicht sein, dass man am Ende glücklich ist, dass man gehen darf? Oder dass nach dem Tod etwas auf uns wartet, nach dem wir uns immer gesehnt haben? Ich habe davon keine klare und schon gar keine christliche Vorstellung, aber irgendetwas sagt mir, dass es mir danach gut gehen wird. Ich hatte bei einem Narkoseunfall mal eine "Nahtod-Erfahrung" und man hat mich recht unsanft (und für meine Lunge sehr schmerzhaft) aus einem ausgesprochen angenehmen Zustand zurück ins Leben befördert. Letztendlich habe ich das nicht bedauert, zumal meine Kinder damals noch zu jung waren, um ohne mich aufzuwachsen, aber seitdem habe ich keine Angst mehr vor dem Sterben.
Ich verstehe, dass andere Menschen ganz andere Vorstellungen mit dem Tod verbinden und mancher weigert sich, sich überhaupt mit ihm zu beschäftigen, als würde sein Erscheinen damit herausgezögert werden können. Wie die berühmten schlafenden Hunde, die man nicht wecken soll. Auch ne Strategie. Nicht meine, aber widerlegen kann ich sie natürlich nicht ...
Es klingt so, als würde Dir jeder Beitrag, der Dich in Deiner Entscheidung für die Inanspruchnahme aller zur Verfügung stehenden Therapieformen nicht bestärkt, ganz viel Hoffnung und Energie rauben. Das ist gewiss nicht meine Absicht und ich käme auch nicht auf die Idee, Dir diese Entscheidung ausreden zu wollen. Es ist - nicht nur bei diesem Thema - gut, wenn man das tut, was einem die innere Stimme sagt.
Ich wünsche Dir alles Gute!
Yushka.
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- Yushka
- Autor
11 September 2026
rudi schrieb:
Yushka schrieb: Es gelingt mir nicht, die Beschäftigung mit solchen Fragen auf später zu verschieben und deshalb versuche ich jeden möglichen Weg auszuleuchten, damit ich vorbereitet bin, wenn es dann irgendwann ganz dicke kommt.
Liebe Judith,
du wirst dich wundern wie lange es noch dauert bis es mal "ganz dicke kommt" bei deinem MM.
Und diese kommenden schönen Jahre solltest du die Entwicklungen über die weitere Myelomforschung "ganz entspannt aus der Ferne" betrachten.
Mach Dir nicht jetzt schon dauernd so heftige gedanken.
Wenn ich in letzter Zeit immer düstere Gedanken von der Zukunft hatte und mir "sehr negative Szenarien" aufgemalt habe, dann habe ich mir gesagt:" Mach Dir doch keine Gedanken um "ungelegte Eier" !
Und dann gings mir wieder besser, weil ich wieder "heute" gelebt habe und nicht irgendwann wenns ganz dicke kommt.
Lieber Rudi,
also, heftig sind die Gedanken vielleicht für andere, aber sie gehören zu meiner Biografie und sind nicht erst seit der Diagnose in meinem Kopf.
Ich weiß, Du meinst es gut, wenn Du mir rätst, mir keine Gedanken um ungelegte Eier zu machen. Aber mir helfen diese Gedanken. Ich neige nicht dazu, mich in etwas hineinzusteigern, was nicht ist. Ich bin nur gern vorbereitet und möchte nicht irgendwann kalt erwischt werden. Mir selbst das Denken zu verbieten wäre genauso sinnlos wie zu versuchen, nicht zu atmen.
Keine Sorge, ich genieße das Leben und habe genug zu lachen.
Liebe Grüße
Yushka.
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- Yushka
- Autor
11 September 2026
Wir haben diese letzte gemeinsame Zeit intensiv miteinander verbracht und ich bin für diese Chance des Abschieds unendlich dankbar. Er starb friedlich, ohne Anzeichen von Schmerzen oder sonstigen belastenden Symptomen in meinen Armen. Aus einer tiefen Bewusstlosigkeit ist er nicht mehr erwacht, er hörte einfach auf zu atmen. Es war ein friedlicher und nicht qualvoller Tod - ich denke, so sollte das Sterben bei den heutigen Möglichkeiten auch sein.
Was Deine Überlegungen zum "kämpfen oder aufgeben" betrifft, so kann dies natürlich nur jeder Patient für sich entscheiden. Ich habe in der Klinik gesehen, was mit krebskranken Menschen geschieht, bei denen trotz des sich abzeichnenden Endes weiter therapiert wird, die "übertherapiert" werden. SO möchte ich nicht Abschied von der Welt nehmen. Wir haben fast 4 Jahre gemeinsam gekämpft, konnten aber auch erkennen, wann es Zeit für das Loslassen wurde. Insofern würde ich nicht von "aufgeben" sprechen, sondern von der Akzeptanz des Unabänderlichen. Ich würde mich - auch mit einigem zeitlichen Abstand - wieder so entscheiden.
[/quote]
Liebe Margret,
danke für Deinen berührenden und tröstlichen Bericht. Für einen nahen Angehörigen ist es oft schwerer, den Abschied zu akzeptieren als für den Sterbenskranken und ich bin sicher, dass Dein Mann sehr froh darüber war, dass er in Dir so eine Stütze und Verbündete hatte. Ich selbst habe meinen ehemaligen Lebensgefährten bis zu seinem Ende begleitet und es ging mir bei aller Erschöpfung doch viel besser danach als denen, die das Ende nicht so hautnah erleben durften. Während sie noch mit seinem Tod haderten, hatte ich zum Schluss eine große Erleichterung verspürt, dass er es "geschafft" hatte und sich nicht länger quälen musste. Es war Magen- und Speiseröhrenkrebs - auch keine Krebssorte, gegen die ich mein MM eintauschen möchte ...
In welcher Stadt/in welchem Krankenhaus wurde Dein Mann so gut gepflegt? Es tut gut zu hören, dass es Krankenhäuser gibt, in denen man in so einem Zustand nicht ganz verloren ist.
Alles Liebe -
Yushka.
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- Margret
11 September 2026
danke für Deine wertvollen Beiträge, die ein - für mich - wohltuender Kontrast zu den "ihr müsst unbedingt kämpfen"-Rufen sind. Wie schön, dass du dir Zeit und Ruhe nimmst, über andere Wege für Dich nachzudenken.
Du wirst für Dich die richtigen Entscheidungen treffen - und wenn Du magst, würde ich mich freuen, wenn Du uns an der "Werdung" teilhaben lässt.
Alle guten Wünsch Dir und nochmals: Danke!
Margret
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- rudi
-
23 Oktober 2009
- Beiträge: 2203
Yushka schrieb: Es gelingt mir nicht, die Beschäftigung mit solchen Fragen auf später zu verschieben und deshalb versuche ich jeden möglichen Weg auszuleuchten, damit ich vorbereitet bin, wenn es dann irgendwann ganz dicke kommt.
Liebe Judith,
du wirst dich wundern wie lange es noch dauert bis es mal "ganz dicke kommt" bei deinem MM.
Und diese kommenden schönen Jahre solltest du die Entwicklungen über die weitere Myelomforschung "ganz entspannt aus der Ferne" betrachten.
Mach Dir nicht jetzt schon dauernd so heftige gedanken.
Wenn ich in letzter Zeit immer düstere Gedanken von der Zukunft hatte und mir "sehr negative Szenarien" aufgemalt habe, dann habe ich mir gesagt:" Mach Dir doch keine Gedanken um "ungelegte Eier" !
Und dann gings mir wieder besser, weil ich wieder "heute" gelebt habe und nicht irgendwann wenns ganz dicke kommt.
LG
Rudi
Heilung ist ein individueller Prozess, der sehr stark an das persönliche Bewusstsein gebunden ist. Daher kann kein Mensch einen anderen Menschen heilen sondern immer nur auf dem Weg zu seiner persönlichen Heilung begleiten.
rudiversal.wordpress.com
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- Yushka
- Autor
11 September 2026
rudi schrieb: Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, wenn es erst "6 Uhr" ist, dann habe ich auch überlegt möglichst lange diesen "Chemotherapien" aus dem Weg zu gehen.
Aber wenn es "5 vor 12" ist, dann fällt einem der Gang zu den Chemotherapiezyklen leichter, weil man sonst sehr schnell mit dem Rücken zur Wand steht.
Du wirst jeweils den richtigen Weg gehen, wenn die Zeit dafür kommt.
Lieber Rudi,
ja, möglicherweise ist es so, dass ich meine Haltung irgendwann ändern werde. Ich bewundere wirklich alle, die sich tapfer mit der fortgeschrittenen Krankheit herumschlagen und fühle mich noch wie ein Greenhorn, das etwas forsch ihre in Euern Augen vielleicht recht naiven Vorstellungen in die Welt hinausposaunt. Sieh es als Suche nach einem gangbaren Weg. Es gelingt mir nicht, die Beschäftigung mit solchen Fragen auf später zu verschieben und deshalb versuche ich jeden möglichen Weg auszuleuchten, damit ich vorbereitet bin, wenn es dann irgendwann ganz dicke kommt.
Gute Nacht.
Yushka.
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